Karl Koller - Visionär, Denker, Vorreiter, Trendsetter, Motivator

KSC Sportgeschichte

Karl Koller feierte am 16. April 2019 seinen 100. Geburtstag

Aus diesem Anlass haben wir einige Schritte seines Lebens aufgezeichnet:

Ski-Visionär, Denker, Vorreiter, Trendsetter, Motivator

Karl wurde als letztes von zehn Kindern geboren und ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Weil der Dreijährige Probleme mit der Haut hatte, wurde ihm vom Arzt frische Luft empfohlen. Fortan verbrachte er jeden Tag im Freien. Im Winter waren Schneehaufen seine Berge und zwei Brettl bedeuteten seine Welt. „Die Berge waren immer gut zu mir,“ so Koller. Der Ski-Visionär und Pionier im Skilehrwesen wuchs in der Natur  auf, die hat ihm die Ideen vorgegeben.

Koller hat sich in seinen jungen Jahren sowohl dem nordischen als auch dem alpinen Skisport verschrieben, im Sommer spielte er auch Fußball. Der Sport hat ihn von Anbeginn fasziniert und das wendige „Mandl“ fiel auf, er hatte Talent. 1936 wurde er in der Abfahrt und im Skispringen Tiroler Jugendmeister und zwei Jahre später österreichischer Jugendmeister im Abfahrtslauf. Einer Skikarriere stand nichts mehr im Weg, er wurde zum Hoffnungsträger der KSC-Riege, der auch Thaddäus Schwabl, Hans Mariacher, Sigi Engl, Karl Feix und Eugen Tschurtschenthaler angehörten.  

Der Krieg

Bereits im Winter 1938 wurden die Hahnenkamm-Rennen wegen der Kriegswirren abgesagt, für die Sportler des Kitzbüheler Ski Club, und damit auch für Karl Koller, stand die Skiwelt still. Er wurde einberufen und gehörte 1940 bis 1942 der Skinationalmannschaft des Großdeutschen Reichs an. Von 1943 bis 1945 war er Heeresbergführer der deutschen Wehrmacht an der Hochgebirgssanitäts-schule im benachbarten Ort St. Johann in Tirol. „Auch den Nazi-Bonzen musste ich Skifahren beibringen,“ verfinstert sich seine Miene.

Aufbruchstimmung und Triumpfe

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann er eine Lehre in einem renommierten Innsbrucker Stoffgeschäft und wurde regelmäßig freigestellt, damit er die Töchter seines Chefs trainieren konnte. Eigentlich wollte er Skilehrer werden, aber seine Eltern waren dagegen, „Zu dieser Zeit sind zwei Skilehrer an Syphilis erkrankt und gestorben, da haben meine Eltern dann ‚nein‘ zu diesem Beruf gesagt,“ erzählt Koller. Trotzdem ließ er sich davon nicht abhalten und gab nebenbei noch Unterrichtsstunden auf den geliebten zwei Brettln.

Er und seine Ski-Kameraden wollten nur eines wieder: Skirennen fahren. Umso erfreulicher war, dass der Kitzbüheler Ski Club für 1946 wieder ein Hahnenkamm-Rennen ausschrieb. Da wollte er unbedingt dabei sein und hatte Glück, „Captain Beidleman aus Aspen gab mir dafür zwei Tage frei,“ so Koller dankbar, dessen Skilehrer er war.

Im Jänner 1946 siegte Koller, es war sein größter Sieg, er gewann die Hahnenkamm-Kombination. In der Abfahrt wurde er hinter seinem Clubkollegen Thaddäus Schwabl Zweiter. „Der Abfahrtslauf 1946 auf der Streif bleibt unvergessen. Die ganze Nacht hat es durchgeregnet und am Morgen glich die Piste einem Eislaufplatz, dazu gab es Nebel, dass man keine fünfzig Meter weit sehen konnte“. Richtungstore gab es keine, dafür sind jede Menge Zuschauer gekommen. „Iatz kiamb wieda oaner,“ Jetzt kommt wieder einer, hieß es seitens der Fans, die sich in der Nebelsuppe am akustischen Kratzen der Skier auf der harten Schneeunterlage orientierten. Tags darauf fuhr er, wie im Reglement festgehalten, mit dem gleichen Paar Ski im Slalom auf den zweiten Platz. Der Tscheche Antonin Sponar war schneller.

Die FIS, der internationale Skiverband, nahm Österreich wieder auf, sodass nun die Skirennläufer auch offiziell internationale Skirennen bestreiten durften. Bald wurde er zum Dreigipfelrennen nach Arosa geschickt. „Es war, als ob sich der Skihimmel geöffnet hätte!“ erzählte er viele Jahre später. Besonders blieb ihm das Skirennen „um das weiße Band“ in St. Moritz in Erinnerung. Er wurde mit der hohen Startnummer 146 Sechster und war damit sehr zufrieden. „Die Wandl reichten teilweise bis zu den Hüften und mit meiner hohen Startnummer musste ich schon die Almrosen umfahren!“

In dieser Zeit traf er auf Heli Lantschner, Toni Seelos, Richard Rossmann, Resi Hammerer, Hannelore Zückert, Eberhard Kneissl, Willy Walch, um nur einige der Skigrößen zu nennen. „Das größte Problem waren die Skier, wir holten sie aus dem Heeresbestand, malten Farbe drüber, aber die Qualität war nichts wert.“ Trotzdem ließ sich diese Generation nicht beirren.

Keine olympischen Spiele

Die Qualifikation für die olympischen Spielen 1948 in  St. Moritz blieb ihm verwehrt und er zog sich, auch aus familiären Gründen, aus dem aktiven Rennsport zurück. „Ich musste ja schauen, dass ich etwas verdiene, ich hatte schließlich eine Familie.“

Koller gehörte der „verlorenen Generation“ an, vor dem Krieg war er zu jung, nach dem Krieg zu alt, für  größte Sporterfolge.

Die Prüfung und Kollers Visionen

„Wir waren reine Amateure und verdienten im Winter kein Geld. So suchte ich für den Sommer Arbeit,“ berichtet Koller. Er fand bald eine Anstellung bei Hermann Reisch, dem Sohn des berühmten Skipioniers Franz Reisch, auf dessen Tennisplätzen als Platzwart. Er lernte Tennis, bald darauf war er ein passabler Spieler und verbuchte Erfolge, gemeinsam mit seiner Frau Hilde wurde er Tiroler Vize-Meister im Doppel.

Zur gleichen Zeit, im Jahr 1947, legte er die Skilehrerprüfung ab. Und 1950 war er es, der mit dem Titel „Verein der Kitzbüheler Skilehrer und Bergführer“ die neue Skischule ins Leben rief

Koller war jener Initiator, der die beiden getrennt agierenden Kitzbüheler Skischulen zusammenführte. Gemeinsam mit Rudi Monitzer, Richard Schatz, Karl Thurner, Hans Mariacher, Sepp Sailer, Christian Haidacher und Toni Hartmann wuchs die neue Skischule. Dabei legte Koller darauf wert, dass alle Mitglieder, sprich Skilehrer, sauber und adrett auftraten. Die Lehrenden erkannte man an den blauen Anoraks, die von einer heimischen Firma produziert wurden. Mit seinem besten Freund, dem Maler Alfons Walde, entwickelte Koller eine neue Bekleidungslinie und Abzeichen. Schwarze Hose, roter Pullover und rote Zipfelmütze waren obligatorisch, die „Roten Teufel“ waren geboren. Walde verstarb und erlebte die Umsetzung 1963 nicht mehr. „Da gab es in der Skischule einen richtigen Aufschwung,“ berichtet der damalige Skilehrer Heini Eder. Weltweit wurden sie bekannt und Koller stand 25 Jahre der berühmten Skischule vor. Viele Innovationen, akkurate Skitechnik, ein internationales Netzwerk, die Verwendung von Kurzski für Kinder und Anfänger, der Bau einer Ski-Cross Piste, der „Teufelspiste“, führten zur geachteten Anerkennung.

Millionen hätte er damals verdienen können, versichert er, aber „beim Geld war ich immer der größte Depp. Ich war der erste Skischulleiter, der eine Gewinnbeteiligung für alle Skilehrer eingeführt hat.“ Ein Fehler, wie er später einräumte. „Letztlich habe ich mich übergangen gefühlt und im Zorn die Skischule verlassen.“ Aber auch das Kurzski-Thema war heiß diskutiert und wurde oftmals nicht verstanden, erst Jahrzehnte später bestätigten Experten die Sinnhaftigkeit und die Industrie streckte sich danach. Kneissl-Ski produzierte den Ergo, auch belächelt, erst zwanzig Jahre später hielt der kürzere Ski, mittlerweile „Carver“ genannt, Einzug im Wintersport.

Mit 54, im Jahr 1976, machte er sich mit der Kinder-Skischule „Kollerland“ selbstständig. Seine Lehrmethoden konnte er endlich frei anwenden und wurden positiv dokumentiert. Anerkennung folgte. „Auf einem Schuldenberg sitzend habe ich neu begonnen, diese Zeit war die schönste in meinem Berufsleben.“ So gesehen hat er nicht nur die Skilehrerprüfung geschafft, auch diese Lebensprüfung konnte er mit Bravour meistern.

Der Funktionär und Visionär

1953 bis 1955 wurde er zum Präsidenten des mittlerweile geachteten Kitzbüheler Ski Club (K.S.C.) gewählt. Sportler aus dem Ski Club-Team wie Christian Pravda, Anderl Molterer, Toni Sailer, Fritz Huber hatten bereits internationale Erfolge erzielt und Ernst Hinterseer sowie Hias Leitner standen in den Startlöchern. Das „Wunderteam“ war geboren. Die Hahnenkamm-Rennen explodierten regelrecht, die Fans kamen aus nah und fern. Pravda und Molterer hatten 1952 und 1954 die ersten Medaillen gewonnen, der charismatische Toni Sailer stand vor einer Weltkarriere. 1954 wurde in der Gamsstadt, am Fuße des Hahnenkamms, die Wintersportwoche, die einer heutigen Weltmeisterschaft  gleichkam, abgehalten. Wiederum war Koller der Initiator und er scharte auch ein Team um sich, das sich mit größter Leidenschaft für den Club einsetzte. Allerdings gab er seine Präsidentschaft aufgrund des immer größeren Arbeitsanfalls bei der Skischule ab.

Nicht nur auf Brettln hatte er Visionen, auch für den Tourismus legte er wesentliche Grundsteine. Die „Roten Teufel“ waren eine Marke, mit großem Werbewert für die Alpenstadt. Seine Skilehrer führte er zu Höchstleistungen, motivierte sie Tag für Tag. Filme wurden gedreht, Abhandlungen über den Skiunterricht verfasst. Bereits 1953 präsentierte er beim Interski-Kongress in Davos erstmals den Kurzski als Lern- und Fahrhilfe. Auch der „Kollerhelp“ war eine Neuheit, ein Gerät, an dem sich die Kinder festhalten und damit das Skifahren lernen konnten. Damals wurde er kritisch beäugt, heute ist es selbstverständlich. Darüber hielt er Patente, unter anderem für eine Sicherheitsbindung, die „Koller-Skibacken“.

Mitunter schickte er seine Skilehrer zum 5-Uhr-Tee, dem angesagtesten Societytreff. Dabei mussten die Skilehrer in der Uniform erscheinen, immer mit einem ordentlichen Haarschnitt, galt es doch, die Skigäste zu unterhalten. Für die „Roten Teufel“ wurde ein Lied komponiert, welches die gesamte Gruppe gerne zum Besten gab und mit Jan Boon drehte Koller den legendären Film „Melodie auf Ski“ über die Skischule. Auch der berühmte Skilehrerball, das Neujahrsfeuerwerk mit Skishow samt Hexenverbrennung, stammten aus Koller’s Ideenwerkstatt. Er dachte damals schon an Kundenbindung und erfand das „Goldene Ski Buch“. In dieses Buch wurden penibel die gefahrenen Pisten eingetragen und zum Abschluss gab es für den jeweiligen Skigast ein Abzeichen und ein Buch. Fünfzig Abfahrten mussten für den „goldenen Schneestern“ und das „goldene Buch“, dreißig für den „silbernen Schneestern“ geschafft werden. „Das war schon eine Besonderheit. Die Gäste haben das Abzeichen mit Stolz getragen.“ Bestätigt wurden die Abfahrten von den jeweiligen Skilehrern. Auch die sogenannten Test-Rennen für Skischüler ersann Koller, es war eine Ehre dabei zu sein dürfen. Als Skilehrer wurden vor allem Einheimische angeworben und er bestand darauf, dass alle die durchaus anspruchsvolle Skilehrer-Prüfung ablegten. Damit kletterte die internationale Anerkennung weiter nach oben. Persönlichkeiten aus Entertainment und Wirtschaft kamen extra nach Kitzbühel um bei den „Roten Teufeln“ Unterricht zu nehmen. Filmstars, Sänger, Astronauten und Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft wollten nur bei der, von Karl Koller geführten Skischule, das Skifahren lernen.

Zu dieser Zeit wurde er nicht nur zum Obmann des Kitzbüheler Tourismusverbandes gewählt, zudem war er Präsident vom Österreichischen Skilehrerverband sowie Vize-Präsident des Weltverbandes. Seine Ideenfabrik arbeitete in dieser Hochblüte Tag und Nacht.

Der Archivar

Karl Koller ist einer der wenigen Kitzbüheler, der beinahe alles archiviert, aufgeschrieben und dokumentiert hat. Für seine Sammlung hat er ein Gartenhäuschen. Trotz seines hohen Alters verfolgt er Ideen, schreibt Notizen, führt mit Akribie Tagebuch. So entstanden auch seine beiden Bücher „Freud und Leid zu meiner Zeit“ und „Kitzbühel zu meiner Zeit“. Sauber abgeheftet in Ordnern und gebundenen Büchern bewahrt er einen geschichtlichen Schatz auf. Ein Zeitdokument von höchstem Wert. Dazu verfasste Koller viele Gedichte und Reime. Er hat einen Computer und schwärmt, „da kann man Tippfehler schnell ausbessern.“

Seine Erinnerungen

Es ist schon etwas Besonderes, wenn man Karl Koller trifft. Immer wieder fallen ihm Geschichten von Erlebtem ein. „Betteln sind wir für den Ski Club gegangen.“ Zum Fünf-Uhr-Tee habe er mit seinen Kollegen mit dem Hut in der Hand diverse Gaststätten abgeklappert. „Please, for the Ski Club,“ haben wir gesagt. Auch an Anderl Molterer hat er eine besondere Erinnerung. Die Funktionäre, Sportler und der Nachwuchs haben jährlich den Steilhang entsteint. Eines Tages war es wieder soweit. Plötzlich ist Anderl Molterer oben aufgetaucht. Fein gekleidet, Hose mit Bügelfalte, schöne Schuhe, fescher Pullover. Auf die Frage, ob er nicht eine Arbeitsbekleidung mithat, verneinte er und sagte: „Nein, ich arbeite immer mit diesem Gewand.“ Alle Anwesenden amüsierten sich durchwegs.

Aber auch über so manch Kurioses erzählt er. In den 1920er Jahren gab es in Kitzbühel ein großes Hochwasser. Die Familie Koller wohnte direkt neben einem Bach und seine Schwester ist hineingefallen. Rund einen Kilometer weiter, bei einem „Wehr“ fischte man sie heraus. Tot. Seine Schwester wurde zu Hause aufgebahrt. Am zweiten Tag kam zufällig ein französischer Militärarzt vorbei und  stellte fest, dass sie noch lebte und hat ihr damit das Leben gerettet.

Würde man all seine Erinnerungen hier niederschreiben, könnten tausende Seiten gefüllt werden.

Die Familie

Seine Frau Hilde lernte er in den Kriegsjahren kennen. Sie war in Zürs beschäftigt, er in St. Johann. Er fuhr so oft wie möglich mit dem Zug nach Langen, schnallte in tiefdunkler Nacht seine Brettln an und stieg zu seiner Hilde nach Zürs auf. Bald heirateten die beiden und 1944 wurde Sohn Karl geboren. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er nebenbei eine Pension „Das Kollerstüberl“ im Zentrum der Stadt Kitzbühel. Seine Frau verstarb 1997, mit ihr war er 54 Jahre verheiratet. Seine Enkelkinder sind sein Stolz, besonders Alexander, der 1998 im den Gesamtweltcup im Snowboard und Disziplinen-Weltcup im Boardercross holte, dazu zweifacher Österreichischer Meister war. Enkelsohn Mathias ist Arzt.

Mit 80 verliebte er sich in Ida, eine Nachbarin, sie war 70. „Gekannt habe ich ihn schon länger, aber geredet haben wir nie,“ erzählt seine Lebensgefährtin. Wenn möglich, gehen sie gemeinsam in der Stadt spazieren und freuen sich, wenn sie bekannte Gesichter sehen. Koller hat ein künstliches Knie, „das sei eine feine Sache.“ Dazu hat er sich erst von seinem Enkel überreden lassen müssen.

Heute

Karl Koller ging bis zu seinem 95. Lebensjahr regelmäßig langlaufen. Mit seinem Enkelsohn ging er auch noch im hohen Alter skifahren, der meinte: „Mein Großvater fährt viel zu schnell, da bekomme ich richtig Angst.“ Heute geht er noch regelmäßig in Kitzbühel spazieren. Geistig ist er fit. Gesundheitlich war er 2017 angeschlagen, er brach sich den Oberschenkel, er kämpfte, machte fleißig Reha-Übungen und konnte bald den Rollator links liegen lassen. Karl Koller ist ein Beispiel für „Aufgeben tue ich nicht.“

Würde man Karl Kollers Ideenreichtum, Innovationen, seine Vorreiterrolle mit den heutigen Größen vergleichen, darf man ihn mit Bill Gates, Steve Jobs und Mark Zuckerberg auf eine Stufe stellen.

Verstorben ist Karl am 26. Oktober 2019. Wir werden uns immer an ihn erinnern!

Sport

1936 – Tiroler Jugendmeister Abfahrt

1936 – Tiroler Jugendmeister Skispringen

1938 – Österreichischer Jugendmeister Abfahrt

1938 – Tiroler Vize-Meister Kombination

1946 – Hahnenkamm-Sieger Kombination

1946 – 2. Rang Hahnenkamm-Abfahrt

1946 – 2. Rang Hahnenkamm-Slalom

Ehrungen

1948 KSC-Ehrenzeichen in Silber für sportliche Leistungen

1965 Hahnenkamm-Ehrenzeichen in Gold für besondere Verdienste

Ehrenzeichen des Landes Tirol

Ehrenzeichen der Stadt Kitzbühel

Fact Box

Geb. am 16. April 1919 in Kitzbühel, als zehntes Kind.

Selbst hat er einen Sohn (Karl). Sein Enkel Alexander wurde 1998 Gesamtweltcup-Sieger im Snowboarden.

Werdegang

1950 wurde er zum Leiter der Skischule („Rote Teufel“) bestellt und verblüffte mit zahlreichen richtungsweisenden Innovationen (unter anderem Kurzski [Vorgänger des heutigen Carver]), Teufelspiste, 1976 machte er sich mit der Kinder-Skischule „Kollerland“ selbständig.

Funktionär

1953 bis 1955 – Präsident des Kitzbüheler Ski Club (K.S.C.)

1968 bis 1972 – Obmann Kitzbühel Tourismus

1968 bis 1972 – Präsident des Österreichischen Skilehrerverbandes

1968 bis 1972 – Vize-Präsident des Welt-Skilehrerverbandes

Autor

Autor mehrerer Bücher, „Freud und Leid zu meiner Zeit“, „Kitzbühel zu meiner Zeit“

Erfinder/Innovator

Erfinder der Teufelspiste, eine Art von Single-Skicross in den 1970ern

Innovator der Testrennen für Skischüler

Initiator des wöchentlichen Skilehrer Ball für die Auszeichnung der Skischüler „Goldenes Skibuch“

Initiator der Wedel-Woche

Erfinder der Kurzski

Erfinder der Unterrichtsmethodik für Kinder, Kinderskikurse

Erfinder einer Sicherheitsbindung

Leiter der Skischule „Rote Teufel“

Initiator für die Namensgebung der Skischule „Rote Teufel“

Gastronom „Koller Stüberl“

Rennläufer (Sieger Hahnenkamm-Rennen 1946)

Ein Gespräch am 4. Oktober 2018 mit Karl Koller und Heini Eder


Wann begann Karl Koller mit Kurzski zu unterrichten?

Karl Koller:

Den ersten Vortrag über den Kurzski habe ich 1953 beim Interski Kongress in Davos gehalten. Da haben sich viele begeistert gezeigt. Hannes Schneider war auch dabei und war sehr interessiert, die Idee hat ihn begeistert.

Notabene:

„Da war ein Wiener Professor und der wollte, dass ich ihm meinen Vortrag gebe und er das vortragen kann. Ich habe ihm gesagt, das mach ich nicht, meinen Vortrag halte ich selber!“

Wie kam es zur Entwicklung der Sicherheitsbindung und wie sah diese aus?

Karl Koller:

„Ich habe in einer amerikanischen Zeitung einen Bericht über Sicherheitsbindungen und deren Vorteile gelesen. Da dachte ich mir, das dauert zu lange, bis das aus den USA bei uns ist und habe mich mit einem Kitzbüheler Bekannten, dem Bobbauer Josef Cullek sen., zusammengetan und über die Sicherheit nachgedacht. Dabei habe ich den Koller-Backen entwickelt. Der Sicherheits-Skibacken wurde auch beim Patentamt angemeldet. Der Vorteil der Bindung war, dass durch den Druck der Schuh aus der Bindung rutschte. Mit dieser Bindung hat es keinen einzigen Unfall gegeben. Später hat Marker-Geze weiterentwickelt und die Bindung mit einem Drehteller versehen.“

Ab wann gab es die Wedel Woche und Testrennen für Skischüler?

Karl Koller:

Die erste Wedel Woche fand 1960 statt und war von Anbeginn ein Erfolg.

Die Testrennen wurden bereits 1952 abgehalten. Natürlich gab es eine besondere Auszeichnung  dafür.

Heini Eder zu Testrennen:

Es gab verschiedene Kategorien 1, 2, 3 und 4. Vier waren die Anfänger. Der 1er Test hat fünf Schwünge im Tiefschnee, einen Slalom auf Zeit und Parallelschwünge vorführen umfasst. Der Test war richtig schwer.

Die Siegerehrung war immer am Freitag um 5 Uhr im Hotel Zur Tenne. Karl Koller hat sich viel angetan, motivierende Ansprachen gehalten und die Leute animiert und damit war die nächste Saison bereits gebucht. Kundenbindung.

Wie kam es zu den eigenen Unterrichtsmethoden bzw. Unterricht von Kindern.

Karl Koller:

1960 habe ich bei den eigenen Skilehrern, den „Roten Teufeln“, das Konzept vorgestellt. Die alten Skilehrer waren absolut dagegen. Ich wollte, dass die Kinder nicht, wie üblich, gemeinsam mit den Erwachsenen unterrichtet werden, mein Ziel war es, dass es einen kindgerechten Unterricht gab. Wie ich darauf gekommen bin? Das war einfach, ich habe mich daran erinnert, wie ich Ski fahren lernte, was wir als Kinder getan haben. Wir haben uns kleine Schanzen gebaut, wir haben gespielt. Also, spielen war das Geheimnis für das schnelle Lernen. Bald hat sich dieser neue Kinderunterricht weltweit durchgesetzt. Er wurde auch ständig weiterentwickelt. Besonders erfreulich war, dass Frau Sigrid Reisch, sie hat das Restaurant im Ziel der Hahnenkamm-Rennen 1967 eröffnet, auch das Potenzial erkannte und sofort eine Kinder-Stube und Kinder-WC im Restaurant  einrichtete.“

„Teufels Piste“, Steilkurven, Wellen, Schanzen mit Toren, erforderten Mut, Technik und Reaktion der Rennläufer

Karl Koller:

„1967 habe ich die Teufelspiste erfunden, dem Vorläufer des heutigen Skicross. Von dieser Bewegungsvielfalt waren alle begeistert und 1971 habe ich beim Interski Kongress in Garmisch darüber berichtet und eine Teufelspiste gebaut.

Der Bau war äußerst schwierig, es  gab einfach zu wenig Schnee und so haben alle Skilehrer mit Eimern und Wasserschüsseln Schnee zusammentragen, damit wir die Teufelspiste überhaupt bauen konnten. Der Erfolg war groß. Mit dabei waren auch die Gebrüder Mahre, sie haben die Idee in die USA mitgenommen und dort wurde daraus der Skicross.“

Ski Gewand für die Roten Teufel – die Bekleidung in Rot!

Karl Koller:

Die alten Skilehrer beschimpften mich und weigerten sich, das neue Gewand anzuziehen, sie machten regelrecht schlechte Stimmung. Ich habe mich aber durchgesetzt und letztlich war es das Beste, was passieren konnte. Der Stoff wurde von Proxauf extra in Vorarlberg in einer Textilfabrik hergestellt.

Zu Sepp Sailer

Karl Koller:

„Viele Jahre später hat Sepp Sailer zu mir gesagt: `Karl ich habe auf das falsche  Pferd gesetzt`. Gemeint hat er, dass er  nicht mich, sondern Theus Schwabl  bevorzugt und eingesetzt hat. Später war er von meiner Arbeit, meinen Ideen überzeugt und wir wurden Freunde.“

 

Erzählung am 15. November 2018 von Karl Koller

„Jetzt habe ich mal den alten Waltenberger getroffen. Dem habe ich einmal das Leben gerettet.“ Koller erzählte über das Schwimmen am Schwarzsee. Er hätte nicht schwimmen gelernt. Als Buben sind sie einfach reingehüpft und er dachte sich, wenn er einfach zappelt, dann wird er schon nicht untergehen. Er hat immer geschaut wie die anderen Leute das machen.

Dem alten Waltenberger (feierte 2018 seinen 90er) hat er später einmal das Leben gerettet. Er war mit seiner Hilda am Schwarzsee und da sah er zwei jüngere Männer, einer davon war beim „Untergehen“. Der Zweite wollte seinen Freund retten, konnte aber selber nicht gut schwimmen, das war der Waltenberger. Der Ertrinkende hat dem Waltenberger in seiner Panik „die Gurgel zugedrückt“. Es gab einen großen Auflauf  und Geschrei am Ufer und auf den Booten. Aber keiner machte etwas, da ist er, Karl, hingeschwommen und abgetaucht und konnte den Waltenberger noch bei den Haaren fassen. Er zog ihn nach oben und gemeinsam mit seiner Hilda brachten sie den Mann ans Ufer. Keiner half, die Leute „gafften“ nur.

Er war sauer auf die Leute und hat geschimpft. Der alte Waltenberger hat sich bei ihm herzlich bedankt und wollte ihm aus Dankbarkeit ein Grundstück schenken. Karl lehnte ab,  weil es selbstverständlich ist, dass man hilft.

Noch heute sagt der Waltenberger zu ihm Danke!

Einmal lag er mit seiner Hilde beim „Tiafinga Bad“. Plötzlich machte es „platsch“, seine Frau schreckte auf und sah, dass ein kleines Kind in den Schwarzsee gefallen  war. Er zögerte nicht und zog das Kleinkind aus dem Schwarzsee. Dann kam eine Frau herbeigelaufen und beschimpfte die Kollers „Warum habt ihr nicht besser aufgepasst.“ Koller meinte, dass es nicht sein Kind sei.


Im Beitrag erwähnte Personen: