Steckbrief

Herbert Huber
  • Geburtstag: 04.12.1944
  • Todestag: 15.07.1970
  • Beruf / Kader: Kaufmännischer Angestellter bei Kästle

Weitere Informationen zu Herbert Huber

Olympia- und WM-Silbermedaille 1968

Dritter im Gesamt- und Riesentorlauf-Weltcup 1968

Drei Siege bei Weltcuprennen

Zweifacher Österreichischer Staatsmeister

Er war ein begnadeter Skifahrer, der Herbert Huber. Aus einer Kitzbüheler Skifamilie stammend, feierte er seinen größten Erfolg im Schatten eines der größten Wirbel im Skirennsport: Beim berühmt-berüchtigten Nebelslalom im Rahmen der Olympischen Winterspiele 1968 in Grenoble landete er zuerst auf dem dritten Rang. Nach langem Hin und Her wurde daraus Platz zwei und daher die Silbermedaille – weil der vermeintliche Sieger Karl Schranz disqualifiziert wurde.

Es sind die persönlichen Tragödien, die sich im Sport zumeist unbeachtet abspielen. Ein Beispiel dafür: Da gewinnt jemand eine Silbermedaille – und keiner will es wissen. So ist es Herbert Huber bei den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble ergangen. Zu sehr wurde der Torlauf von einem Streit überlagert: der Disqualifikation des vermeintlichen Siegers Karl Schranz. Durch das Streichen von Schranz von der Ergebnisliste rückte Huber vom dritten auf den zweiten und Alfred Matt vom vierten auf den dritten Platz vor. Der Sieg ging an Jean-Claude Killy. Aus nächster Nähe verfolgte Fritz Huber, Herberts 13 Jahre älterer Bruder und zu dieser Zeit sein Trainer, vom Pistenrand aus den Torlauf: „Man kann kein Urteil abgeben, es war so nebelig“, erinnert sich der Augenzeuge, „ich will mich dazu nicht äußern.“ Seine inoffizielle Ansicht: „Ich habe alle Filmaufnahmen gesehen, Schranz hat das Tor falsch ange­fahren. Es standen zwar einige Militaristen am Pistenrand, jedoch außerhalb des Tores. Wir konnten nicht protestieren.“ Vielleicht war dieser Erfolg im Schatten eines Wirbels ein Mosaikstein im später unglücklichen Leben des Herbert Huber, dem schon in jungen Jahren das Attribut eines Ausnahmekönners attestiert wurde. Nach der Volks-, Haupt- und Handelsschule in St. Johann im Pongau wurde er Mitarbeiter bei der Skifirma Kästle in Vorarlberg. So konnte er sich voll dem Skirennsport widmen, wobei er nur Tor- und Riesentorläufe bestritt. „Er hat den modernen Skilauf geprägt“, weiß Bruder Fritz. „Er war im Torlauf eine besondere Größe“, und weiter beschreibt er ihn „als intel­ligenten Burschen, der ein problemloser Schützling und ein sehr guter Kamerad war.“ In der Karriere des Herbert Huber ging es stets steil bergauf. Lediglich in der Kindheit hatte ihn eine Gehirnhautentzündung zurückgeworfen. Im Sommer 1969 war Herbert Huber in der Nähe von Mittersill als Beifahrer in einen Autounfall verwickelt. Der Kitzbüheler wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, jedoch kurz danach als gesund entlassen. „Drei Tage später sah er bei einem Training alles drei- und vierfach“, schildert Bruder Fritz. Deshalb wurde er in ein Salzburger Krankenhaus gebracht. „Es war zu spät, er hat sich nicht mehr erfangen.“ Möglicherweise hat dabei eine Spätfolge der Gehirnhautentzündung mitgespielt. Am 15. Juli 1970 wählte er, 26 Jahre alt, den Freitod. „Er erhängte sich in seinem Zimmer“, so Bruder Fritz, „gefunden wurde er von unserem Vater.“ Der Tod kam überraschend – Herbert Huber hatte nie Selbstmordabsichten geäußert. Entgegen aller Gerüchte litt er nicht unter Depressionen. Aus heiterem Himmel verlor die Familie Huber ein außergewöhnliches Familienmitglied und der Skisport einen seiner größten Könner.

LEBENSWEG

Herbert Huber wurde am 4. Dezember 1944 in Kitzbühel geboren. Nach der Volks- und Hauptschule besuchte er die Handelsschule in St. Johann im Pongau, nach dem erfolgreichen Abschluss wurde er kaufmännischer Angestellter bei der Vorarlberger Skifirma Kästle. Am 15. Juli 1970 wählte Herbert Huber den Freitod. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Silbermedaille im Torlauf bei den Olympischen Winterspielen im französischen Grenoble 1968, was zugleich den Vize-Weltmeistertitel bedeutete. Im gleichen Winter konnte Huber im zweiten Weltcup-Jahr den dritten Gesamtrang belegen. Darüber hinaus wurde er auch in der Riesentorlauf-Gesamtwertung Dritter. Der Kitzbüheler konnte drei Weltcuprennen für sich entscheiden: Am 26. März 1967 siegte er im Torlauf in Jackson Hole (USA), am 31. März 1968 gewann er einen Riesentorlauf in Rossland (Kanada), eine Woche später, am 6. April 1968, war er ebenfalls in einem Riesentorlauf in Heavenly Valley (USA) nicht zu schlagen. Bei sechs Weltcuprennen stand er als Zweiter, bei zwei als Dritter auf dem Siegerpodest. Sein letztes Rennen fuhr Herbert Huber am 21. Dezember 1969 in Lienz: Beim Weltcup-Slalom kam er auf den zweiten Platz. Möglichen Ehrungen stand das frühe unerwartete Ableben im Wege: Herbert Huber wurde nämlich weder von der Republik Österreich noch vom Land Tirol oder vom Kitzbüheler Ski Club ausgezeichnet.

ERFOLGE (Auswahl)

1962

Jeweils Bronze im Speziallanglauf und im Einzel in der Nordischen Kombination bei den Jugend-Meisterschaften in Bischofshofen. Silbermedaille mit der Langlaufstaffel.

1963

Jeweils Bronze in der Kombination und im Slalom bei den alpinen Jugendmeisterschaften in Haus im Ennstal.

1966

Zweiter Platz in der Kombination bei der Staatsmeisterschaft sowie erster Staatsmeistertitel im Slalom, Schwaz.

1967

Teilnahme am ersten Weltcup-Slalom, Berchtesgaden (GER), Sieg im Weltcup-Slalom in Jackson Hole (USA).

1968

Olympische Silbermedaille und zugleich Vize-Weltmeistertitel im Slalom in Grenoble (FRA). Siege bei den Weltcup-Riesentorläufen in Rossland (CAN) und Heavenly Valley (USA). Dritter Platz in der Weltcup-Riesentorlaufwertung sowie dritter Platz im Gesamt-Welt­cup. Zweiter Staatsmeistertitel im Slalom, Bad Kleinkirchheim.

1969

Jeweils Rang zwei bei den Welt­cup-Slaloms in Waterville Valley (USA) und Lienz.


Erfolge

WettkampfOrtJahrRang
Ski Alpin / Slalom-Gesamtwertung
Weltcup
/1970 12
Ski Alpin / Riesentorlauf-Weltcup
Weltcup
/1970 26
Ski Alpin / Gesamtwertung
Weltcup
/1970 34
Ski Alpin / Kombination
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1969 2
Ski Alpin / Slalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1969 2
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1969 14
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Kitzbühel (AUT)1969 2
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Lienz (AUT)1969 2
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Lienz (AUT)1969 9
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Mont Saint-Anne (CAN)1969 7
Ski Alpin / Slalom
Kandahar-Rennen
Chamonix (FRA)1969 3
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Megeve (FRA)1969 2
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Berchtesgaden (GER)1969 8
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Kranjska Gora (SLO)1969 3
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Are (SWE)1969 4
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Are (SWE)1969 10
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Squaw Valley (USA)1969 5
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Squaw Valley (USA)1969 10
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Waterville Valley (USA)1969 2
Ski Alpin / Slalom-Gesamtwertung
Weltcup
/1969 5
Ski Alpin / Gesamtwertung
Weltcup
/1969 10
Ski Alpin / Riesentorlauf-Weltcup
Weltcup
/1969 29
Ski Alpin / Slalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1968 3
Ski Alpin / Kombination
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1968 8
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1968 43
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Kitzbühel (AUT)1968 4
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Rossland (CAN)1968 1
Ski Alpin / Slalom
Kandahar-Rennen
Chamonix (FRA)1968 2
Ski Alpin / Slalom
Olympische Spiele
Grenoble (FRA)1968Silber
Ski Alpin / Slalom
Weltmeisterschaften
Grenoble (FRA)1968Silber
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Adelboden (SUI)1968 9
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Wengen (SUI)1968 7
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Aspen (USA)1968 2
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Heavenly Valley (USA)1968 1
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Heavenly Valley (USA)1968 2
Ski Alpin
Weltcup
/1968 2
Ski Alpin / Riesentorlauf-Weltcup
Weltcup
/1968 3
Ski Alpin / Gesamtwertung
Weltcup
/1968 3
Ski Alpin / Slalom-Gesamtwertung
Weltcup
/1968 4
Ski Alpin / Slalom
Österreichische Meisterschaften
/1968Gold
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1967 42
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Berchtesgaden (GER)1967 8
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Berchtesgaden (GER)1967 10
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Madonna di Campiglio (ITA)1967 7
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Franconia (USA)1967 3
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Franconia (USA)1967 9
Ski Alpin / Slalom
Weltcup
Jackson Hole (USA)1967 1
Ski Alpin / Riesenslalom
Weltcup
Jackson Hole (USA)1967 4
Ski Alpin / Slalom-Gesamtwertung
Weltcup
/1967 6
Ski Alpin / Gesamtwertung
Weltcup
/1967 8
Ski Alpin / Riesentorlauf-Weltcup
Weltcup
/1967 11
Ski Alpin / Slalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1966 22
Ski Alpin / Slalom
Weltmeisterschaften
Portillo (CHI)1966DNF
Ski Alpin / Slalom
Kandahar-Rennen
Mürren (SUI)1966 2
Ski Alpin / Slalom
Österreichische Meisterschaften
/1966Gold
Ski Alpin
Tiroler Meisterschaften
/1966Gold
Ski Alpin
Tiroler Meisterschaften
/1966Gold
Ski Alpin / Kombination
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1965 16
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1965 19
Ski Alpin / Slalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1965 22
Ski Alpin / Riesenslalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1965 26
Ski Alpin
Tiroler Meisterschaften
/1965Gold
Ski Alpin / Slalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1963 27
Ski Alpin / Kombination
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1963 31
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1963 40
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1962 71