Steckbrief

Karl Koller
  • Geburtstag: 16.04.1919
  • Familie: Hilde
  • Kinder: Karl jun.
  • Beruf / Kader: Verkäufer im Textilkaufhaus Proxauf, Skilehrer, ehem. Leiter der Kitzbüheler Skischule, ehem. Leiter des Tourismusverbandes Kitzbühel, Alt-Präsident K.S.C., Autor
  • Mitglied seit: 31.12.1937

Weitere Informationen zu Karl Koller

Hahnenkammsieger 1946, Pionier im Skilehrwesen

Ein kleines Gartenhäuschen irgendwo in Kitzbühel. Im Inneren lagert weder Holzkohlengrill noch Rasenmäher, sondern ein Stück Kitzbüheler Geschichte in Form des Lebenswerkes von Karl Koller. Sportlich scheint er als erster Hahnenkammsieger nach dem Krieg 1946 auf, als Leiter der Skischule Kitzbühel setzte er über Jahrzehnte Meilensteine. Die Gegenstände stellen aus historischer Sicht einen unersetzbaren Wert dar. Es war ein Tag, der alles andere als einladend für ein Skirennen war, der 2. März 1946. In der Nacht hatte es stark geregnet, danach klarte es auf, die ohnehin gefährliche Streif-Abfahrt wurde zu einer Eislaufbahn. Darüber hinaus legte sich eine dichte Nebelschicht über die Gamsstadt. Dennoch versammelte sich auf dem Gipfel des Hahnenkamms eine Reihe von Unentwegten, um beim ersten Hahnenkamm-Rennen nach dem Krieg an den Start zu gehen. Die Sportler konnten das Rennen nicht mehr erwarten, schließlich lagen Jahre hinter ihnen, in denen Blut und Tränen dominiert und die Menschen andere Sorgen als ein Skirennen gehabt hatten. Einer von ihnen war Karl Koller. Der Kitzbüheler kann sich an dieses Ereignis erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre. „Es war schon zu dieser Zeit die Abfahrt das Ereignis“, schickt Koller voraus, „allerdings wurden weder die Piste präpariert, noch gab es entlang der Strecke irgendwelche Sicherheitseinrichtungen.“ Kurios: Es gab zwischen Start und Ziel auch keine Tore, jeder Fahrer konnte sich nach Gutdünken eine Linie wählen. Die Sicht war derart schlecht, dass der Start – beispielsweise wie 2008 – unter die Mausefalle verlegt werden musste. Der Nebel war streckenweise so dicht, dass die Zuschauer sich am Rauschen der Skier auf der harten Unterlage orientierten. „Jiatz kiamb wieda oaner“, hieß es dann. Tags darauf, am 3. März 1946, ging dann der Torlauf in Szene. Das Reglement schrieb vor, dass im Slalom mit den gleichen Skiern wie im Abfahrtslauf gefahren werden musste“, schildert Koller. Eine eigentlich unnötige Vorschrift, denn kaum ein Läufer besaß mehr als ein Paar. „Ich hatte auf meine Skier zwei Jahre lang gespart. Wäre einer abgebrochen, hätte dies das Ende meiner Rennläuferlaufbahn bedeutet.“ Wie kostbar sie für Koller waren bzw. sind, beweist die Tatsache, dass er sie auch noch heute aufbewahrt. Alle Teilnehmer waren reinste Amateure – auch Karl Koller. „Ich war zu dieser Zeit als Skilehrer bei den Amerikanern auf der Ehrenbachhöhe. Dass ich mitfahren konnte, verdanke ich dem Kommandanten der US Truppen, dem Captain Beidleman, der mir für das Rennen freigegeben hatte. Der Arbeitsplatz im Hahnenkammgebiet hatte aber auch einen Vorteil, schließlich fuhr Koller täglich von der Ehrenbachhöhe über die Streif nach Hause. Im Abfahrtslauf landete Koller hinter dem Vereinskollegen vom Kitzbüheler Ski Club, Thaddäus Schwabl, an der zweiten Stelle, im Torlauf konnte er nur vom Tschechen Antonín Sponar geschlagen werden. Zusammen ergab dies den Kombinations- und damit den Hahnenkammsieg. Die Klasse der Jungmannen (Junioren), die heute nicht mehr ausgetragen wird, gewann der spätere Weltmeister Christian Pravda. Von wegen millionenschwere Geldprämien: Koller erhielt als Siegespreis eine bronzene Läuferstatue – spendiert von der französischen Besatzungsmacht. Zurück zu den damals so kostbaren Skiern: Im folgenden Winter fand am Arlberg ein Skirennen statt. Um daran teilnehmen zu können, borgte sich Koller von seinem Kitzbüheler Freund Josef „Pepi“ Salvenmoser ein Paar Skier aus – Streamline, das neueste Modell, mehrfach verleimt. Und das Katastrophale geschah: Bei einem kapitalen Sturz brachen beide Brettln ab. „Ich wagte es Pepi nicht zu sagen“, erinnert sich Koller. Nach dem mit schwerem Herzen vorgetragenen Geständnis reagierte dieser als wahrer Freund: „Macht nichts, Karl, das hätte mir auch passieren können“, tröstete er den verzweifelten Koller. „Das habe ich ihm bis heute nicht vergessen.“ War der Sieg beim Hahnenkamm-Rennen ein Markstein, so sollte Koller im Skilehrwesen einen Meilenstein nach dem anderen setzen. 1947 legte der mittlerweile 28-Jährige die Skilehrerprüfung ab, 1950 war er es, der mit dem Titel „Verein der Kitzbüheler Skilehrer und Bergführer“ eine neue Form der Skischule ins Leben rief. Zwei wesentliche Einführungen waren zukunftsweisend: Zum einen konnte er den erbitterten Kampf zwischen Skilehrern und Bergführern beenden. Zuvor durfte ein Skilehrer ohne Berg- oder Skiführer mit seinen Schülern keine Abfahrt – nicht einmal vom Hahnenkamm ins Tal – vornehmen. Zum anderen führte Koller als erster Skischulleiter eine Gewinnbeteiligung der Stammskilehrer nach einem Leistungsprinzip ein. Von Beginn an bestand er auf eine einheitliche Bekleidung: roter Pullover, schwarze Hose. Ein Journalist bezeichnete sie als „Rote Teufel“ – ein Begriff, unter dem sie weltweit bekannt werden sollten. Schon bald erkannte er, dass Kinder das Skifahren ganz leicht erlernen können. Er gründete die erste Kinderskischule, wo auf einer Spielwiese und einem Geländegarten auf spielerische Weise unterrichtet wurde. „Um die Beweglichkeit der Kinder auf Skiern zu fördern, wurden auch Bälle verwendet“, schildert Koller. „Mein Ziel war der spielerische Lehrweg ohne Stemmschule.“ Um dies zu erreichen, verließ er die Skischule Kitzbühel und gründete das „Kollerland“. Als zusätzlichen Lernbehelf erfand er ein Gerät, das vom technischen Tausendsassa Christian Steinbach gebaut wurde und als „Kollerhelp“ bezeichnet wurde: ein von einem Hängegleiter abgeschautes, auf Kufen montiertes Gestell, an dem sich die Kinder festhalten konnten und das von einem Skilehrer gezogen wurde. Seiner Zeit voraus war Koller des Öfteren: So etwa präsentierte er beim Interski-Kongress 1953 in Davos als Lern- und Fahrhilfe erstmals einen Kurzski. Damals wurde er belächelt, heute stellt dieser eine Selbstverständlichkeit dar. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche Patente, unter anderem für eine der ersten Sicherheitsbindungen, dem „Koller-Skibacken“. Auf dem Kitzbüheler Horn ließ er eine Teufelspiste anlegen – die Idee wurde von den Snowboardern als Boardercross übernommen. Auch das Neujahrsfeuerwerk, das alljährlich bis zu 30.000 Zuschauer anlockt, geht auf eine Initiative Karl Kollers zurück.

LEBENSWEG

Karl Koller wurde am 16. April 1919 in Kitzbühel geboren. Nach der Schulzeit lernte er im Textilkaufhaus Proxauf in Innsbruck Verkäufer. 1937 wechselte er in seine Heimatstadt und wurde Skilehrer. Von 1939 bis 1945 musste er zur Deutschen Wehrmacht. Nach dem Krieg unterrichtete er auf dem Hahnenkamm amerikanische Soldaten im Skilauf. 1950 wurde die Kitzbüheler Skischule neu geboren. Karl Koller wurde zu ihrem Leiter bestellt. Dank der von ihm vorgeschriebenen Bekleidung, schwarze Hose, roter Pullover, rote Zipfelmütze, wurde sie als „Rote Teufel“ ein Begriff. 1976 machte er sich mit der Kinderskischule Kollerland selbstständig, ein Jahr lang wirkte er in St. Johann. Karl Koller war bis zu ihrem Tod 1997 54 Jahre lang mit Hilde verheiratet. Der Ehe entstammt der 1944 geborene Sohn Karl jun. Eines seiner zwei Enkelkinder, Alexander, wurde Weltcupsieger im Snowboarden. Bei der Jahreshauptversammlung 2007 des K.S.C. wurde Karl Koller groß geehrt – für 70 Jahre Mit­gliedschaft beim Verein. Karl Koller widmete sich zeit seines Lebens der Allgemeinheit: So war er von 1953 bis 1955 Obmann des Kitzbüheler Ski Club, von 1968 bis 1972 leitete er den Tourismusverband Kitzbühel. Zudem war er Präsident des Österreichischen Ski­lehrerverbandes und Vizepräsident des Welt-Skilehrerverbandes. Darüber hinaus ist er Autor mehrerer Bücher, darunter die Erinnerungen „Kitzbühel zu meiner Zeit“ und „Freud und Leid zu meiner Zeit“. Seit 2000 lebt Karl Koller mit seiner Lebensgefährtin Ida zurückgezogen in Jochberg.


Erfolge

WettkampfOrtJahrRang
Ski Alpin / Kombination
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1946 1
Ski Alpin / Abfahrt
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1946 2
Ski Alpin / Slalom
Hahnenkamm-Rennen
Kitzbühel (AUT)1946 2
Ski Alpin / Abfahrt
Tiroler Jugendmeisterschaften
/1936Gold
Skispringen
Tiroler Jugendmeisterschaften
/1936Gold

Ehrungen

EhrungJahr
KSC Sportehrenzeichen in Silber 1948